Netzwerke

Verbindung hergestellt
Mit Vitamin B werden Karriereträume wahr. Bereits während des Studiums sollten Sie sich um die richtigen Kontakte kümmern. Wie das geht, erklärt die Hamburger Karriere-Expertin Sonja Bischoff im Interview.
Frau Bischoff, was genau ist eigentlich Networking?
Networking ist, kurz gesagt, eine eher informelle Angelegenheit mit dem Ziel, Beziehungen zum gegenseitigen Nutzen aufzubauen. Wer etwas erreichen möchte, schafft das in der Regel niemals ganz allein, sondern ist auf die Unterstützung anderer angewiesen. Es geht darum, diese anderen ausfindig zu machen und für seine Zwecke zu gewinnen. Das macht man am besten, indem man auf sie zugeht und sie kennen lernt.
Ist Networking also nur ein neuer Begriff für das früher verpönte "Vitamin B"?
Vitamin B klingt immer so negativ. Natürlich ist Networking zielorientiert und alles andere als zufällig, aber Geschäftsbeziehungen sind von jeher über Kontakte entstanden. Früher war das allerdings eine sehr exklusive Angelegenheit, wenn Sie zum Beispiel an die weltweit verbreiteten noblen Clubs denken, in denen viele Deals eingefädelt wurden.
In einem Bewerberumfeld, in dem es zunehmend mehr hoch qualifizierte Menschen gibt, wird die Bedeutung persönlicher Beziehungsnetze also immer größer. Ist eine Karriere ohne gutes Networking mittlerweile undenkbar?
In meiner neusten Erhebung habe ich herausgefunden, dass der wichtigste Erfolgsfaktor für den Berufseinstieg die während des Studiums erworbenen Kontakte sind. In den meisten Fällen ist ein guter Kontakt aber nicht mehr als ein Türöffner. Sich in einem neuen Job beweisen, das muss auch ein guter Networker.
Wie sollten Studenten vorgehen, die aktiv in ein Network einsteigen möchten?
Zunächst sollten sie sich drei entscheidende Fragen stellen: Was möchte ich in den nächsten zwölf Monaten erreichen? Wer könnte mir dabei behilflich sein, dieses Ziel zu erreichen? Inwiefern kann ich diesen Menschen Nutzen bringen? Netzwerken ist schließlich keine Einbahnstraße, jedes Mitglied muss auch etwas beitragen können.
Wie findet man dann das richtige Netzwerk?
Als Student kann man nicht einfach mal eben ein Netzwerk gründen und bei Null anfangen. Man sollte eher versuchen, in solche Beziehungsgeflechte hineinzukommen, die bereits existieren und in denen vor allem auch Entscheidungsträger sitzen. Hier können Professoren und Lehrbeauftragte an der Uni sowie Ansprechpartner bei Unternehmen weiterhelfen, zu denen durch ein Praktikum oder eine studentische Tätigkeit bereits Kontakt besteht. Ein rein studentisches Netzwerk etwa wird aber den wenigsten Absolventen bei der Stellensuche etwas nutzen, nach einigen Jahren Berufspraxis sieht das allerdings anders aus: Dann können gerade die Kontakte zu ehemaligen Kommilitonen neue Perspektiven eröffnen. Tätigkeiten in studentischen Initiativen werden von vielen potenziellen Arbeitgebern zudem als soziales Engagement wahrgenommen, ein weiterer Pluspunkt. Auch Alumniclubs, die das Ziel verfolgen, ehemalige Studenten mit der aktuellen Studentengeneration zusammen zu bringen, können sehr hilfreich sein.
In letzter Zeit sind zahlreiche Online-Business-Netzwerke entstanden. Findet Karriere-Networking in Zukunft hauptsächlich im Internet statt?
Gerade Karriere-Anfänger können von den zahlreichen Online-Netzwerken profitieren. Sie präsentieren sich auf den Webseiten mit Foto, Arbeitgeber, Lebenslauf und ihren Qualifikationen und können so potentielle Arbeitgeber auf sich aufmerksam machen. Für mich sind Online-Clubs allerdings keine Alternative sondern eine Ergänzung zum persönlichen Kontakt: Bei Online-Netzwerken stehen eher die formalen Qualifikationen im Vordergrund, diese reichen aber gerade bei der Auswahl von Führungskräften nicht aus. Der persönliche Kontakt ist daher unersetzlich.
Was können Studierende unternehmen, um das Interesse wichtiger Kontaktleute zu wecken?
Ganz wichtig sind Authentizität und Sympathie. Häufig zählt der erste Eindruck. Für diesen ist jeder Networker selbst verantwortlich. Je spannender und persönlicher die Werbung in eigener Sache dabei ist, umso mehr Interesse weckt sie. Die Grundregel lautet: Auffallen, ohne sich aufzudrängen.
Und welche Fehler sollten sie vermeiden?
Ein häufiger Fehler ist mangelnde Geduld: Man sollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, man sei nur vordergründig am Profit interessiert. Wer lediglich diese Konsumhaltung zeigt, wird ganz bestimmt nicht eingebunden.
Interessante Netzwerke:
UNI DEUTSCHLAND:
Karrierenetzwerk verschiedener Unternehmen, fördert die besten Studenten aller Fachrichtungen mit Stipendien und Veranstaltungen: www.e-fellows.net.
Führt Unternehmen und Absolventen bundesweit mit Unternehmen zusammen: www.uni-gateway.de.
Netzwerk rund ums Studium: www.uni.de.
Deutsches Studentennetzwerk zum Studienplatztausch: www.studienplatztausch.de.
UNI INTERNATIONAL:
Internationales Studentennetzwerk, vermittelt internationale Praktika: www.aiesec.de
Internationales studentisches Netzwerk mit Tipps zu Auslandsstudium sowie weltweiten Jobs und Praktika: www.iagora.com.
BUSINESS:
Die Mutter aller Online-Business-Clubs in Deutschland: www.xing.com.
Netzwerk vorwiegend für die Finanzbranche: www.handelsblatt.net.
Internationales Business-Netzwerk: www.linkedin.com.
Frauen beraten Frauen in beruflichen Fragen, eine Gruppe gibt es auch in Hamburg: www.expertinnen-beratungsnetz.de.
Buch-Tipps:
Gudrun Fey: Kontakte knüpfen und beruflich nutzen, Walhalla-Verlag 2005, ISBN: 3802946138, 9,95 Euro.
Ulrike Rudolf: Karrierefaktor Networking (mit CD-ROM), Haufe Verlag 2004, ISBN: 3448060429, 19,95 Euro.
Christine Öttl, Gitte Härter: Networking - Kontakte gezielt knüpfen, Hoffmann und Campe 2004, ISBN: 3455094740, 19,95 Euro.
Kirsten Wolf: Karriere durch Networking, Falken-Verlag 2002, ISBN: 3806822891, 4,80 Euro.
Jeanne Martinet: Die hohe Kunst, Kontakte zu knüpfen, MVG-Verlag 2000, ISBN: 3478086582, 7,90 Euro.



