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Internationale Anerkennung für deutsche Studienabschlüsse

Die Hochschullandschaft befindet sich im Umbruch. Flächendeckend werden nach und nach Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt. Die Wertigkeit der neuen Abschlüsse ist allerdings umstritten. Absolventen fassen am Arbeitsmarkt nur zögerlich Fuß.

 

Lange haben deutsche Hochschulen mit der Einführung neuer Studienabschlüsse gezögert. Jetzt stellen immer mehr Unis und Fachhochschulen auf die Abschlüsse Bachelor und Master um. Ende 2004 waren nach Angaben des Bundesbildungsministeriums 23 Prozent aller Studiengänge in Bachelor- und Masterstudiengänge umgewandelt worden.

Deutschland in der Pflicht

Der Wandel vollzieht sich im Rahmen der so genannten Bologna-Erklärung. 1999 verpflichtete sich Deutschland gemeinsam mit 32 weiteren europäischen Staaten dazu, bis zum Jahr 2010 einen dreistufigen Studienzyklus einzuführen. Das bedeutet: Künftig wird es den Bachelor als ersten Regelabschluss geben. Darauf aufbauend gibt es den Masterstudiengang. Der Masterabschluss ist Voraussetzung für eine Doktorandenausbildung.

Die bisherigen Magister- und Diplomstudiengänge bleiben zunächst parallel zu den neuen Abschlüssen bestehen. "Ein Student, der heute einen Diplomstudiengang anfängt, muss die Sicherheit haben, diesen auch zu Ende zu führen", erklärt ein Sprecher der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. Die Einführung der neuen Studiengänge ist jedoch eine "wichtige Voraussetzung dafür, in Europa vergleichbare Studiengänge zu schaffen", konstatiert Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn. Angestrebt werden unter anderem kürzere Studienzeiten, jüngere Absolventen, ein verstärkter Praxisbezug sowie mehr Transparenz bei Qualität und Inhalten des Studiums.

Qualität und Karriere
Doch gerade die Inhalte der neuen Studiengänge sind umstritten. Welche Qualität haben sie wirklich? Und welche Karrierechancen haben die Absolventen?

Wer an der Uni seinen Bachelor oder Master macht, dem winken zahlreiche und gute Jobs. Dieses Versprechen geben jene deutschen Unternehmen, die sich für die neuen Abschlüsse stark gemacht haben. Doch wie sieht es in der Realität aus? Sechs Jahre nach der Bologna-Erklärung strömen mehr und mehr Uni-Absolventen mit den neuen Abschlüssen auf den Arbeitsmarkt. Jetzt, bei der Stellensuche, zeigt sich der wahre Wert der neuen Ausbildung. Denn viel hängt von der Akzeptanz der neuen Abschlüsse in den Betrieben ab.

Genau dieser Frage ist das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Umfrage zu "Akzeptanz und Karrierechancen von Bachelor- und Masterabsolventen deutscher Hochschulen" nachgegangen (9/04). Das Ergebnis: Die Absolventen der neuen Studiengänge werden - wenn auch nur zögerlich - im Arbeitsmarkt aufgenommen und haben durchaus gute Chancen für ihren weiteren beruflichen Werdegang.

Befragt wurden 672 Firmen, von denen bereits 11,5 Prozent einen Bachelorabsolventen eingestellt hatten, 10 Prozent einen Masterabsolventen. Etwa drei Viertel der großen und mittelständischen Unternehmen, die bisher noch keine Kollegen mit Bachelor- oder Masterabschluss eingestellt hatten, geben an, künftig Bewerber mit diesen Titeln beschäftigen zu wollen. Anders sieht es hingegen bei kleineren Betrieben aus. Hier gibt es mitunter starke Vorbehalte gegenüber den neuen Studienabschlüssen.

Bachelorabsolventen haben es beim Berufseinstieg allerdings schwerer als die Konkurrenz mit Master, Magister oder Diplom. Immerhin 7 Prozent der Unternehmen stellen sie auf die gleiche Stufe mit jenen, die eine "einfache" Lehre abgeschlossen haben. Aber: Haben Bachelorstudenten den Berufseinstieg geschafft, stehen ihnen alle Türen offen. Denn für 70 Prozent von ihnen bestehen die gleichen Karrierechancen wie für die Master- oder Diplomkollegen.

Abschied vom Diplom?
Weiter umstritten bleiben die Studiengänge an den Universitäten und Hochschulen selbst. Fakt ist, dass etwa Bachelorabsolventen nach sechs Semestern fertig sind und somit als junge Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Skeptiker sprechen jedoch von einer "Schmalspurausbildung". Sie bezweifeln, dass in kürzerer Zeit ausreichend Inhalte vermittelt werden können. "Wir sehen im Bachelor an den Technischen Universitäten nicht den Regelabschluss, weil die erforderlichen Qualifikationen auf dem bisherigen Diplomniveau nicht in drei bis vier Jahren erreicht werden können", sagt beispielsweise Johann-Dietrich Wörner, Präsident der TU Darmstadt, und wehrt sich damit gegen den Abschied vom Diplom.

Studierende haben die Qual der Wahl. Beispiel TU Hamburg-Harburg. Hier sind bereits mehr als die Hälfte aller Studiengänge auf das zweistufige System umgestellt. Den Bachelorabschluss hatte die Hochschule sogar als eine der ersten bereits 1994 eingeführt. Aber nur etwa ein Viertel der Studienanfänger hat zu Beginn des letzten Wintersemesters die neuen Studiengänge gewählt. Doch warum?

Sicherlich hängt das mit der Entwicklung der Akzeptanz und den beruflichen Chancen zusammen und dem mangelnden Bekanntheitsgrad von Bachelor- und Masterstudiengängen. Manche Experten schätzen auch die Zeit seit der Einführung als zu gering ein, als dass sich schon heute fundierte Aussagen über Erfolg oder Misserfolg treffen ließen. Abwarten will auch manches Unternehmen. "Wenn die Antwort auf die Bildungsmisere Juniorprofessor und Bachelor lautet, gibt es keinen Anlass für Jubelschreie. Wir warten ab, wie sich die Inhalte der Studiengänge entwickeln", sagte Klaus-Peter Nebel, Konzernsprecher von Beiersdorf, dem Hamburger Abendblatt.

Einen Vorteil haben die Studiengänge in jedem Fall. Sie sind international auf Ballhöhe. Studenten "erreichen einen Abschluss, der international anerkannt ist", bestätigt Christian Hild, Sprecher der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik. Das ist vor allem für international operierende Unternehmen interessant, die keine Vorbehalte gegen angloamerikanische Abschlüsse hegen.

 
 

 

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