Weiterführende Informationen

Wissenswertes zu lebenslangem Lernen
Nachfolgend finden Sie Links zum Thema lebenslanges Lernen und das vollständige Interview mit Prof. Dr. Peter Faulstich aus dem aktuellen Haspa Magazin.
Links
Die HAW Hamburg bietet eine akademische Vorlesungsreihe, die speziell auf die Bedürfnisse und Interessen des höheren Erwachsenenalters zugeschnitten ist:
Informationen zum Kontaktstudium der Universität Hamburg für ältere Erwachsene:
Beratung zu Fort- und Weiterbildung:
Volkshochschule Hamburg:
Von Neumünster bis Bad Tölz, von Ahaus bis Görlitz - in den Netzwerken der Lernenden Regionen wird das Lebenslange Lernen Wirklichkeit. Die auf Dauer angelegten, regionalen Bildungsnetzwerke schaffen Angebote von neuer Qualität, die für alle zugänglich sind. Für das Lebenslange Lernen müssen sich Bildungseinrichtungen öffnen, sich mit wichtigen Akteuren aus dem wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Umfeld vernetzen. Diesen Wandel unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Programm Lernende Regionen - Förderung von Netzwerken":
Europäische Bildungschancen für Jugendliche und Erwachsene:
Interview Prof. Dr. Peter Faulstich
Peter Faulstich ist seit 1995 Professor für berufliche Bildung und lebenslanges Lernen an der Universität Hamburg. Er ist zudem Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium (DGWF).
HaspaMagazin: Herr Prof. Dr. Faulstich, was versteht man unter dem Begriff des lebenslangen Lernens?
Lebenslanges Lernen ist ein Konzept, Menschen zu befähigen, eigenständig über ihre Lebensspanne hinweg zu lernen. Es ist ein Gestaltungsprinzip für Bildungsorganisationen, die Möglichkeiten des Lernens von der frühkindlichen Erziehung bis hin zur Altenbildung zu fördern. Dabei ist der Begriff der Teilhabe zentral. Denn nur durch die kontinuierliche Weiterbildung eines jeden Menschen kann er sich an die sich ständig veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen anpassen.
Lernen wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger aufgrund des gesellschaftlichen Wandels von der Ökonomie bis zur Technik. Unsere Lebenswelt verändert sich immer schneller. Dies hat Auswirkungen auf die Stabilität von Lernsystemen. Die Vorstellung, man lernt in jungen Jahren beispielsweise einen bestimmten Beruf, den man dann bis zur Rente ausübt, ist heute antiquiert. Während unserer Lebenszeit entstehen so viele Umbrüche, auf die wir uns einstellen müssen und die wir auch mitgestalten können. Vor allem im technologischen Bereich: Heute sind Computer selbstverständlich, vor 20 Jahren hat es sie noch nicht gegeben. Dies hat massive Auswirkungen auf unsere Kommunikationsbeziehungen, die Art und Weise, Informationen auszutauschen und auf die Arbeitsbedingungen. Dies war vor 20 Jahren noch überhaupt nicht absehbar. Aber es betrifft auch Situationen im Haushalt oder im Straßenverkehr: Das GPS beispielsweise verändert die Mobilität. Lebenslanges Lernen bedeutet, solche Veränderungen nicht nur als äußeren Ablauf über sich ergehen zu lassen, sondern sich aktiv damit auseinanderzusetzen. Lernen in organisierten Lernanstalten ist nur ein Teilbereich, in dem gelernt wird. Sehr viel findet in Alltags- und Arbeitszusammenhängen statt, worauf die Wissenschaft vorher keinen Blick hatte. Solche Lernorte sind nicht durchorganisiert. Hier findet kein Unterricht statt. Lernen funktioniert nur dann, wenn die Lernenden die Lerninhalte für wichtig halten, wenn sie dem Thema, mit dem sie konfrontiert werden, eine wichtige Bedeutung zumessen, sonst lernt man nicht. Heute hat sich durchgesetzt, das Lebenslanges Lernen notwendig ist, weil sich unsere Biografien permanent ändern. Die Märkte sind heute viel stärker im Wandel. Die Debatte über Lebenslanges Lernen folgt dem gesellschaftlichen Wandel. Wir haben heute Patchwork-Biografien. Laufbahn-Vorstellungen sind antiquiert. Heute weiß man nie wo man ankommt. Ich selbst habe ursprünglich mal Architektur studiert heute bin ich Professor für Erwachsenenbildung. Das hätte ich mir zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn nicht vorgestellt, aber im Nachhinein haben alle Tätigkeiten schlüssig aufeinander aufgebaut.
HaspaMagazin: Warum hat dieser Begriff inzwischen so stark an Bedeutung gewonnen?
Peter Faulstich: Seit 1970 gibt es ungefähr eine Verdopplung der Weiterbildungsangebote, dabei sind die Unternehmen mit 40 Prozent mittlerweile der wichtigste Weiterbildungsanbieter. Im Rahmen der Personalentwicklung haben Unternehmen mit den Umbrüchen auch als erste mit dem Thema zu tun, dass sich Märkte verändern, neue Technologien eingeführt werden, dass arbeitsorganisatorische Vorschläge neu kommen und die Mitarbeiter da mithalten. Hier gibt es auch eine Veränderung der Weiterbildungsinteressen: Früher hat man oft mit Weiterbildung Aufstieg verbunden. Heute muss man sich weiterbilden, um den Arbeitsplatz überhaupt zu halten. Man wird sonst abgehängt. Es gibt dadurch einen Anpassungsdruck. Man kann aber auch dadurch mehr und häufiger entscheiden, was aus einem werden kann.
HaspaMagazin: Wie unterscheidet sich der Lernprozess zwischen Erwachsenen und Kindern, und welche Faktoren beeinflussen den Lernprozess positiv?
Peter Faulstich: Erwachsene fragen sehr viel deutlicher, was lernen für sie bringt. Warum ist etwas für mich wichtig? Kindern kann man viel leichter etwas beibringen, auch wenn noch nicht unmittelbar klar ist, wann sie das erworbene Wissen anwenden können. Erwachsenen muss klar sein, dass man etwas davon hat, sonst entziehen sich Erwachsene solchen Lernzumutungen, weil Lernen Aufwand erfordert. Man muss Zeit und meist auch Geld investieren. Lernwiderstände entstehen vor allem dann, wenn man keine vernünftigen Gründe hat zu lernen. Das schlägt natürlich auf die Motivation. Lernhemmnisse entstehen aufgrund der sozialen Herkunft, es gibt Schwierigkeiten der Erreichbarkeit der Angebote. Es muss eine konkrete Chance geben, das Gelernte auch gewinnbringend anzuwenden. Motivation muss in den Lernenden selbst entstehen, von außen zu motivieren ist meist schwer.
Deutschland ist im internationalen Vergleich bei den Angeboten im unteren Drittel. 14 Prozent liegen bei den Volkshochschulen, 40 Prozent machen die Unternehmen, der Rest verteilt sich. Es gibt in Deutschland ca. 20.000 Anbieter mit rund 300.000 Angeboten. Derzeit erlebt der Markt einen starken Aufschwung, weil im Zusammenhang von Kurzarbeit die Bundesanstalt für Arbeit Weiterbildung als Wundermittel entdeckt, um eine Brücke zwischen Beschäftigungsverhältnissen herzustellen. Man hofft ja, dass der Spuk auf dem Arbeitsmarkt irgendwann wieder vorbei ist. Qualifizieren statt entlassen, solche Debatten gibt es in jeder Krise.
HaspaMagazin: Gibt es eine Art altersbedingte Lernkurve im Leben eines Menschen?
Peter Faulstich: Die höchste Weiterbildungsbeteiligung altersbezogen haben wir in den jüngeren Jahrgängen von 25 - 40. Danach wird es auch von den Angeboten her weniger, obwohl es eigentlich gerade dann umso nötiger ist, denn genau diese Gruppe müsste stärker ins Visier genommen werden. Aber nicht nur die Firmen, sondern auch die Beschäftigten haben leider eine weniger starke Motivation zur Weiterbildung, weil es gibt immer noch die Vorstellung gibt: mit 65 oder 67 Jahren ist Schluss. Das ist aber kein Naturgesetz, je nach Beruf natürlich, sondern eher eine Frage der Rentenkassen.
HaspaMagazin: Hört der Mensch irgendwann auf zu lernen?
Peter Faulstich: Nein. Alle Versuche, empirisch zu bestätigen, dass man in jungen Jahren bis zum Alter von 19 Jahren schneller und besser lernt, sind im Grunde gescheitert. Eine Abnahme der Lernfähigkeit mit zunehmendem Alter lässt sich wissenschaftlich nicht bestätigen. Wenn ein Mensch erkennt, dass etwas wichtig ist zu lernen, kann er es bis zu seinem Tod. Faktisch gibt es natürlich Lernschwierigkeiten mit zunehmendem Alter durch gesundheitliche Beeinträchtigungen, aber das hat mit der Lernfähigkeit selbst wenig zu tun. Problematisch ist jedoch viel mehr, dass ältere Menschen häufiger als junge Menschen den Sinn nicht mehr erkennen, eine bestimmte Tätigkeit noch einmal ganz neu zu lernen. Soziale Kontakte sind sehr wichtig, Vereinzelungen werden dabei aufgebrochen. Das Schlimmste, was man machen kann, ist sich zuhause zu verkriechen und zu verkümmern. Man muss sich bis in hohe Alter die Begeisterung für Dinge erhalten.
HaspaMagazin: Welche Förderprogramme zum lebenslangen Lernen gibt es?
Peter Faulstich: Hier an der Uni Hamburg gibt es inzwischen ein beachtenswertes Seniorenstudium. Dabei können ältere Menschen in verschiedenste Bereiche hineinschauen, z. B. Geschichte, Philosophie oder Kunstgeschichte. Teilweise kann man auch voll wieder einsteigen. Ich habe gerade einen 70-Jährigen Kollegen promoviert, der eine Dissertation über seine eigene Berufstätigkeit aufgearbeitet hat. Das war sehr spannend, weil er natürlich eine Erfahrung wie kaum ein Anderer hat. Dieses Erfahrungswissen wäre sonst verloren gegangen. Man kann sich also noch an Forschungszusammenhängen beteiligen. Davon können wir viel lernen. Inzwischen gibt es rund 800 Senioren auf dem Campus, und wir verzeichnen eine weiter steigende Nachfrage.



